Bosnien: Wildpferde, Wind und 8 Kameras
- Sabine Scharnberg

- 27. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Unser sonniges, aber lausig kaltes Bosnien-Abenteuer begann erst Mal wieder mit Eiskratzen. Im Ort, in dem wir in einer wunderbaren, kleinen Villa im Wald wohnten, war der Frost bis ins Tal gefallen. Also war die bereits angezogene Thermounterwäsche doch nicht so verkehrt?
Wir fuhren zum Abhol-Treffpunkt unseres Rangers und schaukelten mit ihm und seinem Ranger-Fahrzeug auf die Hochebene, auf der ca. 800 Pferde leben. Mit einem normalen Auto sind die Wege übrigens nicht machbar. Man braucht schon ein extra Getriebe und sehr hartnäckige Reifen, die sich durch das Geröll und den Modder bergauf einen Weg bahnen.

Es war kurz vor 7 Uhr morgens, als wir die ersten Wildlinge entdeckten. Übrigens hatten Fabienne und ich diese Reise bereits ein Jahr zuvor angetreten - als Probereise. Damals war es so neblig, dass man kaum seine Hand vor der Nase sah und anschließend fing es in Strömen an zu regnen. Das "Pferde suchen" wurde dadurch sehr herausfordernd und wir sind ziemlich lange Strecken gefahren, um eine Herde zu finden. Diesmal war alles ganz anders: Die Pferde standen in der Morgensonne, in ihren Mähnen tanzte der Wind (in unseren auch) und das frische Grün schmeckte entsprechend gut. Nur hier und da quietschte es ab und zu, wenn die Hengste sich zankten. Die Fohlen sprangen herum, spielten und neckten sich und wenn man den übrigen Weltschmerz ausblendete, konnte man den Frieden auf sich wirken lassen.


Wir fotografierten ausführlich und lange, bevor wir einen Locationwechsel vornahmen. Die nächste Herde war größer und stand nicht sehr weit weg. Auch diese Pferde strahlten Gesundheit, Vitalität und Frühlingsenergie aus, dass es eine pure Freude war.
Nach einem erneuten Wechsel der Location stießen wir auf eine große Herde und konnten
uns nicht satt sehen. Als die "wichtigsten" Bilder im Kasten waren, wurde nur noch genossen,
so fast mitten in der Herde zu sitzen und zu schauen, wie sie untereinander kommunizieren.
Der zweite Tag war dem Nachmittag gewidmet. Shooten bis in den Sonnenuntergang. Ein Traum
für jeden Pferdefotografen. Wir waren so voller Adrenalin, dass wir die Kälte nicht merkten. Auf
den Bilder sehen wir zwar aus wie auf einer Grönlandexpedition (O-Ton Fabi), aber es war sehr
gut auszuhalten.

Diese Pferde erinnern daran, wie Freiheit in der Natur aussieht. Dieser Trotz. Dieses Beschützen
der alten Pferde und der Fohlen im Herdenverband. FREI. Stark. Anpassungsfähig. Selbstbewusst. Präsent. Neugierig....... und nicht zuletzt: Einfach wunderschön. In jedem ihrer Atemzüge steckt Wildheit und Würde zugleich. Ihre Schönheit ist weniger laut als ehrlich, in jeder Bewegung und in jedem ihrer Blicke. Selbst dieser vernarbte Hengst wirkt wie eine lebendige Skulptur, oder?

Zur Dämmerung legte sich warmes Gold über die Hochebene und der Horizont wechselte seine Farbe langsam zu Orange. Zuletzt zogen die Pferde majestätisch wie Silhouetten gegen den Himmel und unsere Kameras konnten noch mal ihren Dynamikumfang beweisen.

Während ich das so schreibe, bin ich einfach nochmal da. Es läuft mir ein schöner Schauer über
den Rücken.
Danke an alle teilnehmenden Fotografinnen, die diese Reise ebenso mit vollem Herzen genossen haben wie wir.

Tschüss bis zum nächsten Mal in Bosnien!

















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